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Seit zehn Jahren kümmert sich die
40-Jährige aus Bochum mit all ihrer Kraft und dem Erbe ihrer Eltern
um Tiere, für die sich sonst niemand mehr interessiert. Doch nun
droht das Aus: Nach der Pleite des dubiosen Tierschutzvereins Arche
2000 fehlen Deutschlands artenreichstem Gnadenhof Monat für Monat
1500 Euro. „Zwei Monate halten wir noch durch. Was danach
geschieht, das weiß ich nicht“, sagt Barbara
Deppe.
Auf dem ehemaligen Bauernhof an
der Straße zwischen Essen und Löningen leben 70 verschiedene Arte.
Da tummeln sich Linus, Urmel und Herr Schmidt, die Kaimane, in
ihrem beheizten Bassin, während draußen Jürgen und Günter mit den
Pfauen um die Wette schreien.
Die Puter mit den maskulinen Namen
sind von Tierschützern demonstrativ aus einem Massen-Stall befreit
worden. Die Kaimane stammen aus einer Wohnungs-Räumung oder wurden
von einem Jugendlichen mit versteckter Kamera ohne Papiere und
Personalausweis gekauft – um aufzudecken, wie
verantwortungslos manche Händler mit Lebewesen umgehen.
Ungeliebte Python-Schlangen finden
bei Barbara Deppe ebenso Gnade wie Vogelspinnen,
Gambia-Riesenhamsterratten und rund 100 Schildkröten in
verschiedenen Größen – zu Lande und zu Wasser.
Schon von Kindheit an hat sich die
Tierschützerin aus Leidenschaft für exotische Tiere begeistert. Als
ihr Haus in Bochum zu klein wurde, weil sie 80 dem Tod geweihten
Kreaturen bei sich aufgenommen hatte, bat die gelernte
Tierarzthelferin ihre Eltern, das Erbe vorzeitig auszuzahlen. Mit
dem Geld kaufte sie das fast verfallene Gehöft in Bunnen,
renovierte es halbwegs und eröffnete das Heim für chronisch kranke
und behinderte Tiere.
Heute, gut zehn Jahre später,
leben dort 70 verschiedene Arten. „Ich kenne keinen Gnadenhof
mit Auffangstation für Exoten in Deutschland mit mehr Arten“,
sagt die Mutter zweier Kinder. Diese Vielfalt stellt sie natürlich
auch vor große Herausforderungen. Jedes Tier braucht seine ganz
spezielle Fürsorge. Mit Füttern allein ist es nicht getan.
Ein Schlange zum Beispiel werde nicht so schnell aus Hunger krank,
sondern eher mangels Wärme oder fehlender UV-Bestrahlung.
„Vieles weiß ich von meiner Ausbildung, aber das meiste
musste ich mir aneignen“, sagt sie.
Bis zu dreimal am Tag rufen
Menschen auf dem Hagel-Hof an, die ein Tier loswerden wollen.
„Ganz oft höre ich den Begriff ,HartzIV’“, sagt
Barbara Deppe. Finanzielle Probleme führen dazu, dass ein Tier
nicht mehr gehalten werden kann. Meistens handelt es sich aber um
Tiere, deren Besitzer es nicht übers Herz bringen, sie zu töten:
die Gans, die als Weihnachtsbraten gedacht war, Pferde, die man
nicht mehr reiten kann, oder die Kuh Clarissa, deren treuen braunen
Augen ihr das Schicksal, als Steak zu enden, erspart haben.
Nun drücken die Frau, die alles für die Tiere gegeben hat, große
Sorgen. Allein für Energie muss sie monatlich 800 Euro überweisen.
Die Beiträge der 40 Mitglieder des Hagelhof-Vereins reichen kaum
aus, um das Futter für über 500 Tiere zu bezahlen. Darum hat sie
eine Initiative im Internet gestartet. Gesucht werden Paten, die
einen monatlichen Betrag für ein ganz bestimmtes Tier
bezahlen.
Die Patenschaft Clarissa, die Kuh
mit den braunen Augen, kostet 50 Euro. Hängebauchschwein Miro, das
früher in einer Düsseldorfer Mietwohnung lebte und aus dem Barbara
Deppe „erstmal wieder ein richtiges Schwein machen
musste“, ist schon für monatlich 20 Euro zu haben. Außerdem
hofft sie, die 1500 fehlenden Arche-2000-Euro auf 300 Freiwillige
zu verteilen, die pro Monat fünf Euro entbehren können. Die Hälfte
ist schon geschafft. Und so ist die kleine Frau mit dem großen Herz
für Tiere zuversichtlich, dass sie auch in Zukunft dem blinden
Schimmel Silas oder dem lauten Puter Jürgen das Gnadenbrot geben
kann.
Quelle: Münsterländische
Tageszeitung
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